Berichte von 02/2014

Das Frühlingsfest

Sonntag, 02.02.2014

 

 

Vor kurzem ist hier das neue Jahr auf Pferdehufen hinein galoppiert und wie! Das Frühlingfest (also das chinesische Neujahr) ist das wichtigste Fest der Chinesen und sie feiern es mit zwei Sachen, die den Chinesen wichtig sind: Familie und Essen.

Die chinesischen Verkehrsverhältnisse entwickeln sich von schlecht zu katastrophal in der Zeit um das Fest herum- immerhin besucht zu dieser Zeit jeder gute Chinese seine Familie. Was heißt, dass ganz China auf den Beinen ist (wer kein Flugzeug oder Zugticket mehr bekommt: kein Problem, die paar tausend Kilometer mit dem Motorrad ist ja ein Klacks) und ich mal den generellen Reisetipp gebe, als Ausländer in dieser Zeit an Ort und Stelle zu bleiben.

Schon Tage vor Neujahr knallen Feuerwerkskörper und damit meine ich nicht die lächerlich kleinen, die man in Deutschland zu Sylvester in die Luft pustet, sondern welche mit ordentlich Sprengkraft. Marie hatte das wichtigste Fest des chinesischen Kalenders natürlich vollkommen vergessen. Das laute Geräusch, das entsteht, wenn man einen Handgranaten-ähnlichen Feuerwerkskörper mit der verstärkenden Akustik der vielen Hochhäuser kombiniert, rief ihr dieses Ereignis wieder in Erinnerung. Dieses Aha-Erlebnis fand in der Küche statt, in die sie panisch gerannt war, während sie abwechseln Erdbeben-Sicherheitsmaßnahmen und den eventuellen Ausbruch des dritten Weltkrieges kontemplierte.

Nun, es war nur der Anbruch eines neuen Jahres und das schlimmste, was mir an diesem Abend passierte, war mir das chinesische Fernsehprogramm anzusehen und mich mit Süßigkeiten vollzustopfen.

Die Neujahrsshow ist sehr populär und so eine Art Sylvestertradition. Sie bestand aus viel Singen und Tanzen (das natürlich mir perfekter Synchronität), einigen Sketchen und sehr, sehr vielen Pferdebildern. Ich habe die Familie gefragt, was denn z.B. im Jahr der Ratte gemacht wird, weil sich galoppierende Ratten ja nicht so majestätisch ausnehmen, aber die sehr interessante Antwort ist leider an der Sprachbarriere gescheitert.

Um Mitternacht gab es noch mehr Feuerwerk und ich war dann gegen eins sehr dankbar für einigermaßen schalldichte Fenster und einen tiefen Schlaf.

 

Geschenke gibt es auch: die Erwachsenen schenken den Kindern Geld in roten Papierumschlägen. Und zwar mal nicht eben so zehn Euro, sondern dann hundert oder mehrere hundert Euro. Dabei müssen die armen Erwachsenen nicht nur die eigenen Kinder beschenken, sondern auch die Kinder der Verwandtschaft. Andererseits bekommen die eigenen Kinder ja auch Geld geschenkt, also muss keiner große Verluste einstecken.

Überhaupt ist die chinesische Einstellung zu Geld sehr viel lockerer und offener als in Deutschland. Bei uns heißt es „Geld macht nicht glücklich“, ständig werden der tugendhafte Arme und der böse Reiche gegenübergestellt und die Frage nach dem Gehalt darf man erst nach drei Jahren enger Freundschaft gefahrlos stellen. Chinesen sind da unverblümter; ganz offen wünscht man hier dem anderen Reichtum und Wohlstand zum neuen Jahr.

 

Ein Besuch im Restaurant

Donnerstag, 06.02.2014

 

 

Jäger und Sammler ade, hier kommt die nächste Stufe der Essensversorgung: der Besuch eines chinesischen Restaurants! Wer goldene Plastiklöwen und Krabbenchips erwartet, der wird bitter enttäuscht werden. Überhaupt kann man so einiges falsch machen…

 

Vor allem zur Rush Hour sind die Restaurants oft überfüllt und eine kleine Menschentraube bildet sich um den Eingang. Kein Problem- oft gibt es extra Warteräume und meistens werden den Gästen Nummern zugewiesen. Manchmal gibt es sogar einen extra Automaten zum Nummern ziehen, wobei  ich dann immer nostalgisch in der Erinnerung an deutsche Behörden schwelge.

 

Dann, ungefähr zehn Minuten später, wird man zu seinem Tisch geführt. Der Kellner bringt eine Karte- die ist allerdings auf Papier gedruckt und wird von einem Stift begleitet. Eine Person bestellt dann für die ganze Gruppe und setzt Kreuzchen neben den entsprechenden Gerichten.  Man fühlt sich ja oft von einer zu großen Auswahl überfordert (ein Umstand, der sich bei mir vor allem bei der Wahl eines Studiengangs und in der „Subway“ Schlange äußert) und es ist wirklich nett, die Verantwortung abzugeben und sich nicht durch die chinesischen Schriftzeichen der Speisekarte quälen zu müssen.

 

Zu trinken bestellt man normalerweises nichts- aber Wasser und Tee stehen eh meistens kostenlos zur Verfügung. Die Tischplatten sind fast immer drehbar, sodass man an alle Gerichte problemlos herankommt. Servietten stehen hier nicht so hoch im Kurs und es werden lieber Gesichtstücher gereicht. In einigen Restaurants sind es auch mit lauwarmem Seifenwasser getränkte Handtücher.

 

Nach sehr kurzer Wartezeit (kaum mehr als zehn Minuten) kommen die ersten Gerichte an. Das erste Mal, als ich hungrig in einem Restaurant saß, hab ich mich gleich darauf gestürzt und hab mich an den drei Gerichten satt gegessen- tja, als während der nächsten dreißig Minuten immer mehr Gerichte aufgetragen wurden, die ich dann aus Höflichkeit auch gegessen habe, habe ich das ein wenig bereut. An dem Abend bin ich mit leichter Übelkeit und etwas weiser als zuvor ins Bett gegangen.

 

Wie viele Gerichte bestellt werden, kommt auf den Anlass und die Anzahl der Gäste an. Ich habe mich von spätrömischer Dekadenz durchdrungen gefühlt, als letztens bei einem Abendessen mit der Familie anlässlich des Frühlingsfestes sage und schreibe vierzig Gerichte aufgetragen wurden (der Kellner fängt dann an, die Teller mehr oder weniger stabil übereinander zu stapeln). Dann bekommt man von jedem Gericht nur ein paar Bissen hinunter und ihr könnt euch ja vorstellen, was an Resten übrig bleibt. Manchmal nimmt man die Reste in Boxen mit nach Hause, aber das meiste wird weggeworfen. Wahrscheinlich landet so viel gut schmeckendes Essen in den Mülltonnen der Restaurants, dass ein kleines afrikanisches Land davon ein Jahr leben könnte und überhaupt ist es eine schreckliche Vergeudung.

 

Sobald aufgegessen wurde, verlässt man das Restaurant in einer fast fluchtartigen Geschwindigkeit. Das ist zuerst ein wenig befremdlich, aber eigentlich ganz angenehm (denn das stundenlange Herumsitzen, während meine Gastfamilie auf chinesisch parliert entfällt nämlich- interessante Tätigkeiten wie Gesichter aus Essensresten legen, mit soziologischen Interesse andere Restaurantbesucher zu beobachten und eine mentale Liste der Kellnerinnen geordnet nach ihrer Attraktivität zu erstellen; kurz Tätigkeiten, die sonst jeden Restaurantbesuch versüßen, verlieren nach gewisser Zeit ihren Reiz).

Die Rechnung wird nicht geteilt und oft  streiten sich die Chinesen aus Höflichkeit, wer denn bezahlen darf (aber jeder lädt mal den anderen ein, sodass es insgesamt ausgeglichen ist). Trinkgeld wird keines gegeben.

 

Das Essen schmeckt unglaublich gut und die Chinesen sind energischer als jede deutsche Großmutter, was das „du musst mehr essen“ angeht: jeder Restaurantbesucher, der nicht mit gefühlten zehn Kilo mehr den Essenstempel verlässt, hat etwas falsch gemacht.

Tierliebe

Mittwoch, 12.02.2014

 

 

Man kann keinem Chinesen vorwerfen, nicht tierlieb zu sein- die lieben kleinen Tierchen werden hier mit den besten Saucen und Beilagen verhätschelt,  die man sich nur wünschen kann.

Während fast jeder Deutsche „tierlieb“ ist,  Kontakt zu Haustieren hat und nach einer Reportage über Massentierhaltung für zumindest fünf Minuten Besserung gelobt, haben die Chinesen eine andere und sehr pragmatische Sichtweise: Tiere werden als Nahrungsquelle oder Ware angesehen.

Klar ist es ein wenig befremdlich, wenn Jake auf die Frage nach seinem Lieblingstier „Huhn“ antwortet (weil es lecker ist) und als ich auf dem Land war, hätte ich gerne auf den Anblick der verfilzten Straßenhunde und der Steinigung der Ente verzichten können.

Niemand hier ist Vegetarier (zumindest nicht aus Tierschutz-Gründen) und ich habe zehn Minuten gebraucht, bis ich Serena erklärt hatte, dass eine meiner Freundinnen sich vegan ernährt. Nachdem sie dann endlich das Konzept verstanden hatte, musste sie erst einmal ziemlich lange ungläubig lachen.

 

Diese Einstellung liegt denke ich zu einen an der chinesischen Esskultur: zu jeder Mahlzeit gehört Fleisch (und Chinesen essen dreimal täglich warm) und zwar von allen möglichen Tieren. Da wird nicht so stark zwischen Haustier und Nutztier unterschieden und auch wenn nur wenige Chinesen jemals Hundefleisch probiert haben: was essbar ist, wird gegessen.

Dann muss man ja bedenken, dass noch über die Hälfte der Bevölkerung noch auf dem Dorf lebt und (gerade die Älteren) auch Lebensmittelknappheit kennt- da bleibt eben nicht so viel Raum für Sentimentalitäten. Wer kämpft schon gerne mit hungrigen Magen für das Recht des Essens anstatt für das Rechte auf Essen?

Und überhaupt- ich bezweifle, dass sich jemand für die Rechte der Tiere starkmacht, wenn Rechte der Menschen noch nicht durchgesetzt sind.

 

Ich glaube schon, dass sich die Einstellung zumindest teilweise mit größerem Wohlstand und dem Vorbild der westlichen Lebensweise ändern wird. Auch jetzt sehe ich viele jüngere Chinesen mit vierbeinigen Freunden auf der Straße- und ich versichere euch, dass die meisten der Hunde besser angezogen sind als ich.

 

Toilettentango

Donnerstag, 20.02.2014

 

 

Mein erster Tag in China. Jung und naiv betrete ich ein chinesisches Badezimmer. Über der Toilette hängt ein Schild. „Bitte das Toilettenpapier in den Mülleimer werfen und nicht in die Toilette“. Ich schlucke. Ich lese das ganze noch einmal. Skeptisch blicke ich auf den besagten Mülleimer. Weil ich nicht verantwortlich für irgendwelche explodierende Toiletten sein will, gehorche ich dem geschriebenen Worte und verlasse immer noch jung, aber um eine Erfahrung reicher das Badezimmer.

Solche Schilder sind hier keine Seltenheit, denn die Rohre der Kanalisation sind oft veraltet und zu eng, um sich mit dem Papierkram abzugeben. Tja, und das ist nur der erste von vielen Unterschieden.

Nur die großen Restaurants haben hier Toiletten. Wer etwas kleiner speist, der sollte den Weg zu der öffentlichen Toilette seines Vertrauens wissen und hoffen, dass diese nicht allzu dreckig ist.

 

Die Putzmethoden sind auch sehr kurios. Die meisten Kabinen sind hier nämlich gefliest und haben einen kleinen Abfluss im Boden. Was macht also die Reinigungskraft? Hält einen Gartenschlauch auf den Porzellanthron und spült alles mit Wasser weg. Apropos Reinigungskraft: es wird hier kein „Verdauungsgroschen“ auf einen Teller gelegt (Chinesen haben es ja nicht so mit Trinkgeld).

 

Obwohl man viele der westlichen „Sitz-Toiletten“ findet, gibt es vor allem „Hock-Toiletten“. Die bestehen dann aus einem Loch im Boden (was nicht so Dixi-Klo-artig ist, wie es klingt. Stellt es euch ein bisschen wie eine sehr tief gelegte „normale“ Toilette ohne Brille vor. Links und rechts davon dann kleine geriffelte Stellen, wo man die Füße hinstellen kann). Diese Toiletten sind nichts für schwache Beinmuskeln und ich persönlich halte immer Ausschau nach westlichen Toiletten.

 

Zu guter Letzt: es gibt nicht immer Toilettenpapier, habt also immer eine Packung Taschentücher  (und Desinfektionstücher für die etwas Penibleren) bei euch.  Das mit den Taschentüchern ist überhaupt ein genereller Tipp. Wenn man nämlich in einem sehr gut geheizten Restaurant sitzt und heiße, scharfe Suppe isst, dann fängt die Nase schon mal an zu laufen. Und wenn man da keine Taschentücher zur Hand hat, steigt die Verzweiflung langsam aber sicher (denn es werden ja Handtücher anstatt Servietten gereicht. Außerdem ist es sehr unhöflich, sich bei Tisch zu schnäuzen) und man wünscht sich welche herbei.

 

Deutschunterricht

Montag, 24.02.2014

 

 

An dieser Stelle möchte ich kurz die absolut wahre Geschichte über die Entstehung der deutschen Sprache anbringen.

Babel. Der Schauplatz: Einige Stockwerke über dem berüchtigten Turm im Himmel (genauer gesagt dritte Kumuluswolke von links). Gott steht mit Schürze in seiner Küche und kocht neue Sprachen. Die chinesische Sprache ist schon fertig, köchelt in dem großen Topf vor sich hin und riecht nach fünf verschiedenen Betonungen. Dort hinten steht Französisch. Gott hat extra viele Buchstaben hinzugegeben, dass ganze dann aber bei minimaler Betonung gekocht.  Gerade nimmt Gott Englisch vom Feuer- besonders stolz ist er auf die drei Löffel willkürliche Aussprache, die er im letzten Schritt als Folge eines Geistesblitzes hinzugegeben hat.

Jetzt nimmt er einen neuen Topf. Er knackt mit seinen Fingern und grinst durchtrieben. Sein neustes Süppchen würde etwas ganz Besonderes werden. Zuerst ein ähnliches Rezept wie Englisch. Er überlegt kurz. Schnell nimmt er den Akkusativ und den Dativ vom Regal und schüttete sie in die heiße Sprache, die bedrohlich zischt. Mit dem Genitiv in der Hand zögert er einen Moment, zuckt dann mit den Achseln und lässt auch ihn in die Brühe fallen. Jetzt läuft Gott zu großer Form auf. Unregelmäßige Verben werden kleingeschnitten und fliegen im hohen Bogen in die Sprache. Dann ein paar durchgeknallte Zeitformen und nicht ein, nicht zwei, sondern drei Artikel. Schließlich noch zwei großzügige Handvoll unregelmäßiger Pluralformen. Gott hält kurz inne und streicht sich gedankenverloren über den weißen Bart. Ach ja! Fast hätte er die seltsame, harte  Aussprache und die Prise Lehnwörter vergessen. Gott nimmt einen Löffel und probiert. Salzig, so wie die Tränen verzweifelter Deutschschüler. Exzellent! Mit einem zufriedenen Lächeln betrachtet Gott sein Werk.

 

Hier Deutsch zu unterrichten ist eine Herausforderung. Und das Wort  „Herausforderung“ ist ein schamloser Euphemismus. Warum? Weil Deutsch zu sprechen und Deutsch zu unterrichten zwei vollkommen verschiedene Dinge sind. Weil die deutsche Grammatik schwerer ist als ein Sumo-Ringer. Weil ich alles auf Englisch unterrichte, was bei Jake sehr wackelig ist und weil das Arbeitsbuch auf eine Klasse von dreizehnjährigen Kindern ausgelegt ist und nicht auf Einzelunterricht mit einem neunjährigen chinesischen Jungen.

 

Eigentlich ist die Begeisterung für die deutsche Sprache in der Familie ja rührend. Der Vater, der die Mängel in der Aussprache durch Lautstärke wettmacht. Die Mutter, die nach meiner zögerlichen Kritik sofort drei neue Arbeitsbücher gekauft hat.  Serena, die zwar eigentlich keine Zeit hat, mit der ich aber in zwei Wochen zwei komplette Arbeitsbücher durchgearbeitet habe. Jake, der eh begeistert dabei ist. Cuity, der ein Wort für Deutsch hat („Rrrr“) und ein Wort auf Deutsch kann: Ball.

 

Im Moment gebe ich nur Jake Deutschstunden und die Mutter greift energisch mir unter die Arme. Klar, es ist hilfreich, wenn jemand noch mal alles auf Chinesisch erklärt. Aber leider treffen da verschiedene Vorstellungen von Lernmethoden aufeinander. Sie ist großer Fan der phonetischen Schreibweise und sieht die Aussprache als erste Grundlage an (während ich finde, dass zusammenhangloses Lernen sinnlos ist). Jetzt liest Jake also stundenlang die gleichen stupiden Wörter vor, während ich mit glasigem Blick daneben sitze und ihn korrigiere. Währenddessen unterstreicht sie seine Fehler, malt Sternchen bei Erfolg und schimpft, wenn er einen Fehler wiederholt. Nach der zehnten Wiederholung ziehen meine Gedanken die Siebenmeilenstiefel an und wandern umher. Habt ihr schon mal über das Wort „Handschuh“ nachgedacht? Schuhe für die Hand. Oder „Unterhemd“? Unter dem Hemd.

Während ich am liebsten Verständnisfragen  stelle, verlangt sie regelmäßig von Jake, aufzustehen und den Text/Dialog auswendig aufzusagen.

 

Aber immer ist die Mutter ja nicht da und meistens schaffe ich es, die Unterrichtsstunden einigermaßen sinnvoll zu füllen. Jakes Deutsch ist mittlerweile besser als mein Chinesisch; ich weiß bloß nicht, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist…

 

Eule und Lerche

Donnerstag, 27.02.2014

 

 

Während der deutsche frühe Vogel den Wurm fängt, hat der chinesische Vogel schon einen Rundflug gemacht, zwei Nester gebaut und das Heilmittel für Vogelgrippe gefunden, bevor sich der Wurm überhaupt aus dem Bett begeben hat.

In der Gastfamilie heißt am Wochenende ausschlafen, bis viertel vor acht im Bett zu liegen. Obwohl es eine (beunruhigende) Offenbarung war, zu merken, wie viele Stunden der Vormittag  hat: wenn es nach mir ginge, würde ich erst um zehn aufstehen und vor elf nicht intelligent kommunizieren.

Chinesen sind chronische Frühaufsteher und Morgenmenschen. Und die älteren Chinesen sind sogar noch schlimmer. Wenn ich Jake richtig verstanden habe*, dann stehen seine Großeltern um drei Uhr morgens auf, essen um vier Frühstück, um halb zehn Mittag und um halb vier zu Abend.

Gleichzeitig unternehmen sie kaum noch etwas am Abend. Meine Ausgangssperre ist hier auf halb neun Uhr abends festgesetzt (meine Stellung als verantwortungsvolle Erwachsene ist hier leider mit einem kläglichen Geräusch verpufft), aber selbst wenn ich etwas unternehmen wollte: viele Busse hören schon um kurz vor acht auf zu fahren.

 

 

*Obwohl Jake sein Englisch sehr verbessert hat, kleine Kommunikationsfehler bleiben immer bestehen. Zum Beispiel, als er heute statt „mess“ (Unordnung) „meth“ gesagt hat und ich schon ungeahnte Drogenlabore in seinem Zimmer zu vermuten begann. Oder neulich, als er so felsenfest darauf beharrte, dass Cuity Onkel geworden sei, dass ich mir ein paar ziemlich plausible Verschwörungstheorien über ein verschollenes viertes Geschwisterkind zurechtgelegt habe.