Berichte von 12/2013

China: Die ersten Tage

Mittwoch, 04.12.2013

 

 

Der Flug

Der Flug war lang und, wenn man meine Körpergröße in Betracht zieht, sehr beengend. In den neuneinhalb Stunden Flug von Frankfurt nach Beijing saß ich eingequetscht zwischen zwei sehr freundlichen Chinesen, die kein Wort Englisch konnten, aber viel gelächelt haben und mir, als die Stewardessen mich übersehen haben, auch mein Frühstück organisiert haben. Am   Flughafen von Beijing angekommen, habe ich mich innerhalb von fünf Minuten verlaufen. Ich hatte  anderthalb Stunden Zeit- aber wenn man bei der Visakontrolle Schlange stehen muss, die verschiedenen Terminals mit Zügen miteinander verbunden sind und man auch noch prompt eine Viertelstunde in der falschen Schlange für den Security Check ansteht, dann sind anderthalb Stunden nicht wirklich viel. Ich habe also in einem flotten Dauerlauftempo und mit wachsender Verzweiflung nach meinem Gate gesucht (und dabei in Gedanken den Wintermantel verflucht, den ich wegen der Gewichtsgrenzen fürs Gepäck an hatte). Endlich, endlich habe ich es dann gefunden (fünf Minuten vor Boarding), nur um festzustellen, dass mein Flug eine Dreiviertelstunde Verspätung hatte. Dezent bin ich dann etwas tiefer in den Sitz gerutscht angesichts der Chinesen, die ich im Vollsprint und mit gekeuchten „Sorrys“ auf der Rolltreppe überholt hatte und die jetzt gemütlich eingetrudelt kamen. Vom Flug von Beijing nach Hangzhou (welches übrigens nicht wie „Handschuh“ ausgesprochen wird, sondern eher wie Handschau bzw. Hanzau) habe ich nicht viel mitgekriegt, denn ich habe geschlafen.

 

Die ersten Tage im Hotel

Ich wurde relativ schnell  vom Flughafen abgeholt und in ein Hotel in Hangzhou gebracht. Der chinesische Verkehr war ein wenig… chaotisch, aber entspricht nicht den Vorstellungen, die ich mir nach dem Lesen von „Kulturschock China“ gemacht habe. Es sind viele Motorradfahrer und Radfahrer unterwegs, es wird viel gehupt, wir stehen eine ganze Weile im Stau und wenn Fußgänger auf der Straße sind, werden sie eben kreativ umfahren. Das Hotel ist ganz okay für europäische Standards. Das Erdgeschoss wird in China grundsätzlich als 1.Stockwerk gezählt, sodass es ein bisschen verwirrend ist. Meine Zimmernummer ist 503 und ich wundere mich über die Abwesenheit von Raum 504, bis mir einfällt, dass die 4 im Chinesischen eine Unglückszahl ist (denn das chinesische Wort für 4, si, ähnelt dem Wort für Tod). Am Abend werde ich von einer Mitarbeiterin der Organisation abgeholt und wir gehen Essen- mein erster Versuch, mit Stäbchen zu essen. Nach kurzer Zeit erbarmt sich ein Kellner und bringt ungefragt eine Gabel. Na ja. Scheint also nicht so professionell zu wirken. Am nächsten Tag gehe ich in das Büro der Organisation, das nur einen Fußmarsch entfernt ist. Es gibt das ein oder andere Einführungsseminar, unterbrochen vom weiteren Rumgestochere mit Stäbchen. Dann, am nächsten Tag, werde ich von der Familie abgeholt...

 

Gastfamilie

Freitag, 20.12.2013

 

 

 

 

 

Entschuldigt bitte die Grabesstille der letzten zwei Wochen, ich musste ganz dringend vier Bände von „A Song of Ice and Fire“ durchlesen, Beschwerden bitte direkt an George R.R. Martin schicken.

 

Also, die Gastfamilie ist toll. Sie besteht aus Mutter, Vater, Serena, Jake, Cuity (natürlich heißen die Kinder nicht wirklich so, aber viele Chinesen suchen sich einen englischen Zweitnamen aus) und der Haushälterin/Nanny, die schon seit neun Jahren in der Familie ist und daher eigentlich auch als Familienmitglied zählt.  Cuity, oder Daye, der Kleine ist wirklich süß und lacht viel. Er liebt Hoppe Hoppe Reiter und Stifte klauen. Mit den geklauten Stiften malt er dann immer alles an und obwohl seine Kritzeleien abstrakten Gemälden in nichts nachstehen, versuche ich zu verhindern, dass er sich auf dem Sofa verewigt. Jake, der neunjährige Junge, ist ruhig, nett und derjenige, den ich in Englisch unterrichte und wahrscheinlich das Kind, mit dem ich am meisten zu tun habe. Jake hat eine Faible fürs Militär und für Geschichtssendungen im Fernsehen. Serena ist die sechszehnjährige Tochter (sechzehnjährig nach unserem Kalender, nach dem chinesischen Kalender ist sie siebzehn- hier zählt man den Geburts- Tag als Geburtstag) und sehr gut in der Schule. Ich sehe nicht sehr viel von ihr, weil sie entweder in der Schule ist und lernt oder in ihrem Zimmer ist und lernt. Sie ist ein bisschen schüchtern, aber sehr nett. Sie ist auch ein Fan von „Sherlock“ (was ein großer Pluspunkt ist) und hat mir beiläufig erzählt, dass sie „Jane Eyre“  und „Krieg und Frieden“ in der Primary School gelesen hat und auf Englisch „The Great Gatsby“ und „Tess of the d’Urbervilles“ und das sie während des Lesens versucht hat, sich hundert Vokabeln die Stunde rauszuschreiben und zu lernen. Ach ja hatte ich erwähnt, dass die auch zeichnet, fotografiert und sich selber Klavier spielen beigebracht hat? Die Mutter ist auch nett und spricht ein bisschen holpriges, aber verständliches Englisch. Der Vater ist Boss irgendeiner Firma und obwohl er von zu Hause aus arbeitet, hängt er ständig am Telefon. Die Haushälterin ist auch sehr nett, obwohl keine großen Gespräche zustande kommen, weil sie kein Wort Englisch spricht und mein Chinesisch sehr stark eingeschränkt ist. (Ich kann kaum mehr als  „Hallo“ und „Danke“ sagen). Eines der ersten Worte, die ich hier gelernt hab, ist das Wort für Essen. Danach das Wort für Bundeskanzler (oder Präsident?), weil gerade Angela Merkel in den Nachrichten gezeigt wurde und danach das Wort für Orange.

 

Unfestliche Festtage

Dienstag, 31.12.2013

 

 

ich hoffe ihr habt alle schöne Weihnachtstage verbracht und viele Geschenke bekommen. Hier in China wird Weihnachten kaum gefeiert, obwohl das Fest unter der jüngeren Generation populärer wird. Eine sonderlich weihhnachtliche Stimmung ist bei mir eigentlich nicht aufgekommen. Trotzdem habe ich viel (und schief) Weihnachtslieder gesungen und Lametta über die Zimmerpflanze geworfen. An Heiligabend ist die ganze Familie dann mit mir Essen gegangen und anschließend sind wir noch auf einem großen öffentlichen Platz mit vielen Weihnachtsdekos. Einige Chinesen hatten sich zur Feier des Tages bunt leuchtende Teufelshörner aufgesetzt, worüber ich ganz laut schmunzeln musste.  

Tja, Neujahr wird hier auch nicht groß gefeiert, also gehe ich jetzt schlafen und wache erst im nächsten Jahr wieder auf (haha, der Witz wird nie alt). Frohes neues Jahr alle zusammen :D