(Un)Sicherheit im Straßenverkehr

Sonntag, 26.01.2014

 

 

Die Kinder hier sind so dick angezogen, dass sie Probleme haben von alleine aufzustehen. Eine Familie hat keinen Fernseher, um die Augen der Kinder zu schonen. Kinder dürfen nicht mit Wasser spielen. Schüttelt ihr gerade verwundert den Kopf? Die Sicherheit der Kinder nimmt hier komische Formen an und ist die alleroberste Priorität- tja, es sei denn, man beschleunigt die Kinder auf über dreißig km/h und fährt mit ihnen auf die Straße; dann ist es kein Problem, sich über einfache Sicherheitsregeln hinwegzusetzen.

Ich habe hier noch keinen einzigen Kindersitz im Auto gesehen.  Das Kleinkind wird einfach auf den Schoß genommen (darauf angesprochen, hat meine Gastmutter argumentiert, dass es auf dem Rücksitz sicherer ist als vorne. Nun, ich bin zwar kein Physiker, aber so ganz überzeugt mich diese Logik nicht).

Anschnallen ist nicht so wichtig und auch wenn die Straßen streckenweise sehr verstopft sind, gibt es genug Möglichkeiten, über siebzig km/h zu fahren. Das macht dem chinesischen Autofahrer vielleicht Spaß, aber ich versichere euch, dass die Deutsche auf dem Rücksitz bei solchen Gelegenheiten entdeckt, dass sie eine ziemlich morbide Fantasie besitzt und alles in Reichweite anschnallt.

 

Und das sind nur die Autofahrer. Die Motorradfahrer sind ja recht flexibel, was die Verkehrsregeln angeht und der Fahrstil würden jeden deutschen Fahrlehrer ins frühe Grab befördern. Sie tragen keinerlei Schutzkleidung und ich kann die Zahl der Personen, die mit Helm fahren, an meinen Fingern abzählen (und ein Kind mit Helm habe ich noch gar nicht gesehen). Die Kinder werden selbstverständlich auch mit dem Motorrad transportiert. Einmal hab ich einen Vater mit zwei Kindern gesehen; das etwa vierjährige Mädchen stand aufrecht vor dem Vater auf dem Trittbrett des Motorrollers und hat sich mit ihren kurzen Ärmchen am Lenker festgehalten und der sechsjährige Junge saß hinter dem Vater und hat sich gar nicht festgehalten.

 

Ich kann mich immer noch sehr gut an mein erstes (und einziges) Mal auf einem Motorrad erinnern und wie ich während der einstündigen Fahrt in einer beeindruckenden Imitation einer Boa Konstriktor dem armen Fahrer immer mehr die Luft abgeschnürt habe, weil ich mich panisch an ihm festgeklammert habe.  Umso mehr beeindruckt mich die absolute Nonchalance der Chinesen, die hinter dem Rollerfahrer sitzen. Kaum einer hält sich fest (und wenn, dann lasch und halbherzig), einige tippen SMS und letztens habe ich auch einen Schuljungen gesehen, der ein Buch gelesen hat.