Über das chinesische Essen

Dienstag, 07.01.2014

 

 

Bitte erinnert euch an euren letzten Besuch in einem chinesischen Restaurant oder an das letzte Mal mit dem chinesischen Lieferservice zurück.  Ja? Habt ihr alles vor Augen? Den Reis, die Ente, die gebratenen Nudeln, das Schweinefleisch süß-sauer? Gut, dann vergesst, was ihr euch vorgestellt habt. Chinesisches Essen ist anders.

Oder zumindest größtenteils anders. Zu erst einmal die Tischmanieren. Man isst offensichtlich mit Stäbchen, wobei es ein Paar Stäbchen zum auf-den-Teller-legen gibt und jeder ein Paar Essstäbchen hat.  Die Gerichte stehen in mundgerechte Stücke geschnitten in der Mitte des Tisches, die in manchen Fällen auch drehbar ist. In diesem Haushalt kommen immer 5-6 Gerichte auf den Tisch, das meiste davon Gemüse, aber  immer auch Fisch oder Fleisch. Knochen, Schalen und andere ungenießbare Sachen werden neben den Teller auf den Tisch gespuckt. Ein bisschen lauter als in Deutschland geht es schon zu: Schlürfen, Schmatzen und vom Teller das Essen in den Mund schaufeln ist normal.

Ich esse hier verhältnismäßig früher als in Deutschland; Frühstück um Viertel nach sieben, Mittag um kurz vor zwölf und Abendbrot um halb sechs. Alle Mahlzeiten sind warm, d.h. es gibt auch Reis, Fleisch usw. zum Frühstück. In der ersten Woche habe ich noch schmerzlich Kaffee und Müsli vermisst, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

Was esse ich? Also erst einmal, Reis ist die Grundlage zu so ziemlich allem und wird zu jeder Mahlzeit serviert. Und mit Reis meine ich nicht den gräulichen, groben Reis, den es in Deutschland im Supermarkt gibt, sondern weißen, etwas klebrigen Reis, der hier immer in einem extra Dampfkochtopf gekocht wird und besser schmeckt. Eben weil der Reis etwas klebrig ist, ist es kein Problem, ihn mit Stäbchen zu essen(nach ungefähr zwei Wochen war ich Vollprofi). Das Gemüse ist sehr gut, aber ich habe größtenteils keine Ahnung, was ich esse.  Einmal habe ich „Bohnen“ gegessen, nur um festzustellen, dass es tatsächlich Erbsen  waren und während alle anderen die Erbsen mit den Stäbchen herausgepult haben, habe  ich auf der zähen Schote herumgekaut. Der Fisch kommt hier immer komplett auf den Tisch. Der Kopf des Fisches (der selbstverständlich noch Augen hat) gilt als der beste Teil und macht einen Großteil des Wertes des Fisches aus. Ich kann nicht sagen, dass ich sehr unglücklich bin, wenn der Vater sich diese Delikatesse sichert. Ich (die eigentlich nur Fischstäbchen mag) bin dann meistens damit beschäftigt, Gräten zu suchen (wirklich, die sind überall! Mein Fisch ist vor lauter Herumgestochere praktisch schon Brei und wenn ich ihn dann esse, pieken mich trotzdem immer noch sechs Gräten. Was mache ich falsch?). Fleisch gibt es auch oft, aber da erkenne ich meistens von welchem Tier. Meistens sind noch Knochen dabei, aber die werden dann ja anschließend auf den Tisch gespuckt.

Chinesen haben eine sehr offene und unkomplizierte Einstellung zum Essen. Keines der Kinder hat irgendwann einmal etwas nicht gegessen oder gesagt: „das mag ich nicht“. Was essbar ist, wird gegessen, und wenn es exotisch ist, umso besser. Bislang haben sich meine kulinarischen Abenteuer  sehr in Schach gehalten, aber ich habe immerhin schon Ziege probiert und so eine großes dickes Krabbenviech  (keine Ahnung, was genau es war, aber mir wurde gesagt, dass es eine Spezialität und sehr teuer ist). Vorgestern morgen bei Frühstück habe ich mich sehr erschrocken, weil sich ein Sack, der vor der Küche stand, bewegt hat. In diesem Sack befand sich ein noch lebendes Huhn; ein Zustand der sich wohl zwei Stunden später verändert hat, denn um die Mittagszeit war die Großmutter (die gerade zu Besuch ist) am Gange, das Huhn zuzubereiten und spätestens beim Abendessen, als es Hühnchen gab, war ich mir sicher, dass das Huhn jetzt im Hühnerhimmel weilt (und sein Körper in meinem Magen).

Allgemein ist das Essen deutlich weniger süß, es gibt keinen Nachtisch, zwischen den Mahlzeiten eigentlich nur Obst und nur die gelegentliche Tour zum nahen Supermarkt bewahrt mich vor dem Schokoladen-Entzug. (Gott bewahre, dass ich mich gesund ernähre!).

Obwohl es oft Suppe zu den Mahlzeiten gibt, trinkt man hier kein Wasser nebenbei. Ich und meine Tasse rennen also ständig in die Küche, um Wasser aus der Thermoskanne einzufüllen. Ja, Thermoskanne- hier wird Wasser grundsätzlich warm getrunken. Ich habe schockierte Blicke geerntet, als ich erzählt habe, dass in Deutschland Wasser immer kalt getrunken wird. „Aber das ist doch nicht gut für den Bauch!“. Tja, so unterscheiden sich Meinungen. Aber warmes Wasser schmeckt eigentlich ganz gut, vor allem bei den momentanen Temperaturen  und der Tatsache, dass man das Leitungswasser nicht einfach aus dem Hahn trinken kann.