Tierliebe

Mittwoch, 12.02.2014

 

 

Man kann keinem Chinesen vorwerfen, nicht tierlieb zu sein- die lieben kleinen Tierchen werden hier mit den besten Saucen und Beilagen verhätschelt,  die man sich nur wünschen kann.

Während fast jeder Deutsche „tierlieb“ ist,  Kontakt zu Haustieren hat und nach einer Reportage über Massentierhaltung für zumindest fünf Minuten Besserung gelobt, haben die Chinesen eine andere und sehr pragmatische Sichtweise: Tiere werden als Nahrungsquelle oder Ware angesehen.

Klar ist es ein wenig befremdlich, wenn Jake auf die Frage nach seinem Lieblingstier „Huhn“ antwortet (weil es lecker ist) und als ich auf dem Land war, hätte ich gerne auf den Anblick der verfilzten Straßenhunde und der Steinigung der Ente verzichten können.

Niemand hier ist Vegetarier (zumindest nicht aus Tierschutz-Gründen) und ich habe zehn Minuten gebraucht, bis ich Serena erklärt hatte, dass eine meiner Freundinnen sich vegan ernährt. Nachdem sie dann endlich das Konzept verstanden hatte, musste sie erst einmal ziemlich lange ungläubig lachen.

 

Diese Einstellung liegt denke ich zu einen an der chinesischen Esskultur: zu jeder Mahlzeit gehört Fleisch (und Chinesen essen dreimal täglich warm) und zwar von allen möglichen Tieren. Da wird nicht so stark zwischen Haustier und Nutztier unterschieden und auch wenn nur wenige Chinesen jemals Hundefleisch probiert haben: was essbar ist, wird gegessen.

Dann muss man ja bedenken, dass noch über die Hälfte der Bevölkerung noch auf dem Dorf lebt und (gerade die Älteren) auch Lebensmittelknappheit kennt- da bleibt eben nicht so viel Raum für Sentimentalitäten. Wer kämpft schon gerne mit hungrigen Magen für das Recht des Essens anstatt für das Rechte auf Essen?

Und überhaupt- ich bezweifle, dass sich jemand für die Rechte der Tiere starkmacht, wenn Rechte der Menschen noch nicht durchgesetzt sind.

 

Ich glaube schon, dass sich die Einstellung zumindest teilweise mit größerem Wohlstand und dem Vorbild der westlichen Lebensweise ändern wird. Auch jetzt sehe ich viele jüngere Chinesen mit vierbeinigen Freunden auf der Straße- und ich versichere euch, dass die meisten der Hunde besser angezogen sind als ich.