Pfützen und andere furchtbare Dinge

Samstag, 11.01.2014

 

 

Chinesische Kinder tragen keine Windeln. Stattdessen haben sie einfach einen Schlitz in der Hose, hocken sich hin und… und zeigen die Endprodukte der biologisch faszinierenden Verdauungsprozesse unseres Körpers. Lassen der Natur ihren Lauf. Erledigen ihr Geschäft. Machen Pipi und Aa. Na, ihr wisst schon. Normalerweise beobachten die Eltern die Kinder sehr genau und halten sie dann über die Toilette, wenn sie müssen und es funktioniert erstaunlich gut. Es hat viele Vorteile; die Kinder sind schneller stubenrein und im Grunde ist es auch hygienischer (ich meine, wenn ein kleines Kind in die Windel macht und dann mehrere Stunden damit herumläuft, ist es weniger „eklig“ als ein Schlitz in der Hose?).

So, damit ist nun hoffentlich dem Kulturrelativismus (ich möchte an dieser Stelle meinem Philosophielehrer für dieses siebensilbige Wort danken) genüge getan. Wirklich, es macht mir wenig aus, wenn der Kleine mal ein Häufchen auf den Boden macht. Und wenn ich sehe, dass der Kleine zum Pipi machen über den Mülleimer gehalten wird, fische ich eben nichts mehr aus dem selbigen (wie mein Kugelschreiber, der aus Versehen dort hinein fiel, am eigenen Leib erfahren musste. Wenn du das hier liest, oh mein treuer Begleiter: es tut mir leid).Ich habe gelernt, sämtliche Pfützen sehr, sehr sorgfältig zu umgehen und erst zu wischen und dann Fragen zu stellen. 

Nur leider scheine ich entweder das Handbuch für chinesische Kleinkinder ohne Windel nicht gelesen zu haben oder einfach glücklos zu sein, aber ich wurde schon drei Mal angepinkelt. Das ist der Mutter und der Haushälterin in der ganzen Zeit hier noch nicht passiert. Einmal, als ich ihn auf dem Arm getragen hab, einmal einfach so auf mein Bein und einmal bei „Hopppe Hoppe Reiter“. Auch mein Zimmer ist nicht sicher. Letztens kam der kleine Junge rein, als ich gerade auf dem Bett lag. Seine dunklen Augen strahlen vor Heiterkeit, seine Wangen sind rosig und er lacht glucksend. Ich freu mich, dass er so gut gelaunt ist und lache auch. Er pinkelt, immer noch lachend, auf meinen Zimmerboden und schaut mir dabei die ganze Zeit vergnügt ins Gesicht. Ich höre auf zu lachen. Er ist immer noch am Kichern, als ich ihn fluchend zur Toilette trage.

An dieser Stelle sollte gesagt werden, dass in der Wohnung kein Teppich verlegt ist und alles abwischbar ist. Trotzdem. Viel Mitleid bekomme ich nicht von der Familie und das ganze ist so eine Art Running Gag geworden. Es ist höchstens zu fünf Prozent lustig. Vielleicht sieben. Dreißig, maximal. Auf keinen Fall mehr als siebzig...