Macklemore und ich

Mittwoch, 08.01.2014

 

 

Oft denke ich mit nicht sehr warmen Gedanken an jenen Mann zurück (wer auch immer das gewesen sein mag), der in einem Gewittersturm aus Geistesblitzen beschlossen hat, dass Südchina keine Heizungen braucht. Ja, ihr habt richtig gelesen. Wir haben hier keine Heizungen (aber in aller Fairness muss gesagt werden, dass einige elektrische Heizöfen herumstehen) und auch in der Wohnung behält man selbstverständlich die Jacke an. Für die Chinesen ist das etwas ganz Normales und nach den ersten paar Tagen Bibbern habe ich mich erstaunlich gut an die Temperaturen drinnen gewöhnt. Ich ziehe morgens immer mindestens drei Lagen an und zusammen mit meinem dicken braunen Daunenmantel lässt sich die Kälte gut ertragen; das letzte Mal in dem beheizten Einkaufszentrum habe ich wie eine Verrückte angefangen zu schwitzen und fand die Luft sehr stickig.

Am härtesten ist es definitiv, aus der Dusche zu kommen und morgens aufzustehen, aber für beides habe ich Strategien entwickelt. Ich dusche einfach so heiß, dass meine Haut ein schönes Rot annimmt und für die nächsten zehn Minuten Wärme abstrahlt; Zeit genug, sich anzuziehen. Meine Taktik, morgens das Bett zu verlassen, ist da schon komplexer. Ich habe nämlich zwei Bettdecken, sodass es richtig schön warm ist im Bett und das Aufstehen wirklich, wirklich schwierig ist.  Zehn widerstrebende Minuten nachdem mein Wecker also das erste Mal geklingelt hat, windet sich eine einzelne tastende Hand aus dem Deckenberg. Zum Glück ist der Kleiderschrank in Reichweite des Bettes, und die  Hand zieht ein paar Klamotten hervor, die dann auch  schnell unter der Bettdecke verschwinden. Die Methode ist ein bisschen umständlich, hat sich aber bewährt.

Aber was rede ich die ganze Zeit von den Nachteilen, die man ohne Heizung hat? Es gibt auch Vorteile! Meinen Wintermantel, den ich vorher etwas groß und sperrig fand, nehme ich gar nicht mehr war, weil wir praktisch miteinander verwachsen sind. Mein Laptop, der normalerweise zum Überhitzen neigt, läuft nach einer Nacht auf der eiskalten Fensterbank besser als je zuvor und ohne die trockene Heizungsluft geht es Haut und Haaren sehr gut und ich habe auch keine rissigen Lippen und davon, wie viel Geld man spart, will ich gar nicht erst reden.