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Donnerstag, 20.03.2014

 

 

Letztens habe ich Jake mit leichter Verspätung zur Schule gebracht. Plötzlich fangen die Lautsprecher am Schulgebäude an, Musik zu spielen. Ich gehe natürlich unbeeindruckt und munter plaudernd weiter, bis ich merke, dass Jake vor zwanzig Metern stehen geblieben ist und salutiert. Ein irritierter Blick in die Umgebung zeigt, dass sämtliche Schulkinder das gleiche tun. Dann hört die Nationalhymne auf zu spielen und wie bei Stopptanz oder nach einem Flashmob gehen alle normal weiter.

Im Vergleich zu Deutschland gibt es hier große Militärbegeisterung und noch größeren Patriotismus. In den Nachrichten laufen oft Berichte über das neuste Kampfflugzeugmodell der Armee oder über einen Flugzeugträger. Klassenfahrt? Pah! Wenn ich die holprige Erklärung richtig verstanden habe, verbringen die Kinder einige Tage beim Militär, um den Alltag der Soldaten kennen zu lernen, sich körperlich anzustrengen und Disziplin zu lernen.

Es ist natürlich so, dass ich mit einem neunjährigen Jungen zusammenlebe, dem sein Onkel gesagt hat, er würde ein guter General werden. Jake ist sehr begeistert von Krieg, Waffen und der Armee und er kann nicht nur den zweiten Weltkrieg in und auswendig (und zwar mit allen Daten), sondern zeichnet auch mit großer Begeisterung stundenlang Kriegsszenen. Manchmal sagt die Mutter, er soll gerade stehen „like a soldier“. 

In den ersten Wochen hier hab ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht. Während des Unterrichts hat er bei jeder Kleinigkeit, die er nicht wusste, mit zwei Fingern an den Kopf gezeigt, „Bäm“ und dann „I’m dying“ gesagt und ist dann kurz auf das Sofa gesunken. Was für ein Kompliment für meinen Unterricht.

Auch als wir dann zusammen verschiedene Berufe gezeichnet haben: Frisör (ein kleines Strichmännchen hält eine zwei Meter große Schere bedrohlich über das zweite Strichmännchen), Mechaniker (ein Strichmännchen fliegt weg von einem explodierenden Auto), Krankenschwester (ein Strichmännchen liegt am Boden, die Krankenschwester jagt eine ein Meter große Spritze in den Bauch) oder Stewardess (ein Kampfjet beschießt einen brennenden Panzer). So viel also zu meinen pädagogisch wertvollen Spielen.

Klingt das besorgniserregend? Soll es nicht. Jake ist ein sehr militär- und geschichtsinteressierter Junge mit lebhafter Fantasie und einer Vorliebe für Kriegsspiele. Sehr süß und naiv hat er mir schon mehrmals versichert, dass er zwar General werden will, aber niemanden töten möchte...