Gastfamilie

Freitag, 20.12.2013

 

 

 

 

 

Entschuldigt bitte die Grabesstille der letzten zwei Wochen, ich musste ganz dringend vier Bände von „A Song of Ice and Fire“ durchlesen, Beschwerden bitte direkt an George R.R. Martin schicken.

 

Also, die Gastfamilie ist toll. Sie besteht aus Mutter, Vater, Serena, Jake, Cuity (natürlich heißen die Kinder nicht wirklich so, aber viele Chinesen suchen sich einen englischen Zweitnamen aus) und der Haushälterin/Nanny, die schon seit neun Jahren in der Familie ist und daher eigentlich auch als Familienmitglied zählt.  Cuity, oder Daye, der Kleine ist wirklich süß und lacht viel. Er liebt Hoppe Hoppe Reiter und Stifte klauen. Mit den geklauten Stiften malt er dann immer alles an und obwohl seine Kritzeleien abstrakten Gemälden in nichts nachstehen, versuche ich zu verhindern, dass er sich auf dem Sofa verewigt. Jake, der neunjährige Junge, ist ruhig, nett und derjenige, den ich in Englisch unterrichte und wahrscheinlich das Kind, mit dem ich am meisten zu tun habe. Jake hat eine Faible fürs Militär und für Geschichtssendungen im Fernsehen. Serena ist die sechszehnjährige Tochter (sechzehnjährig nach unserem Kalender, nach dem chinesischen Kalender ist sie siebzehn- hier zählt man den Geburts- Tag als Geburtstag) und sehr gut in der Schule. Ich sehe nicht sehr viel von ihr, weil sie entweder in der Schule ist und lernt oder in ihrem Zimmer ist und lernt. Sie ist ein bisschen schüchtern, aber sehr nett. Sie ist auch ein Fan von „Sherlock“ (was ein großer Pluspunkt ist) und hat mir beiläufig erzählt, dass sie „Jane Eyre“  und „Krieg und Frieden“ in der Primary School gelesen hat und auf Englisch „The Great Gatsby“ und „Tess of the d’Urbervilles“ und das sie während des Lesens versucht hat, sich hundert Vokabeln die Stunde rauszuschreiben und zu lernen. Ach ja hatte ich erwähnt, dass die auch zeichnet, fotografiert und sich selber Klavier spielen beigebracht hat? Die Mutter ist auch nett und spricht ein bisschen holpriges, aber verständliches Englisch. Der Vater ist Boss irgendeiner Firma und obwohl er von zu Hause aus arbeitet, hängt er ständig am Telefon. Die Haushälterin ist auch sehr nett, obwohl keine großen Gespräche zustande kommen, weil sie kein Wort Englisch spricht und mein Chinesisch sehr stark eingeschränkt ist. (Ich kann kaum mehr als  „Hallo“ und „Danke“ sagen). Eines der ersten Worte, die ich hier gelernt hab, ist das Wort für Essen. Danach das Wort für Bundeskanzler (oder Präsident?), weil gerade Angela Merkel in den Nachrichten gezeigt wurde und danach das Wort für Orange.