Existenzkrisen

Donnerstag, 16.01.2014

 

 

Marie ist die französische Form von Maria und dank der freundlich-sanften Überzeugungsarbeit, die das Christentum im Laufe der Zeit geleistet hat, eigentlich auch international verständlich. Nun, eigentlich. Das ist nur eine Kleinigkeit, wirklich nicht viel. Und das ist ein klitzekleiner Buchstabe: das „r“.

Die chinesische Sprache hat keinen Laut wie unser schön schnurrendes rrrrrrr und dementsprechend haben meine eifrigen Deutschschüler so ihre liebe Not, Wörter wie „rot“ richtig auszusprechen. Meistens kommt dabei so eine Mischung aus einem leicht gewürgten „ch“ und einem anvibrierten „l“ heraus. Trotzdem sind langsam aber sicher Fortschritte zu erkennen und meine kleine Klasse kommt dem „r“ erkennbar nahe, auch wenn einige Wörter wie „Freund“ oder „Lehrer“ ohne eine kleine Nachdenkpause nicht machbar sind. Aber was soll ich urteilen bei all den Zischlauten im Chinesischen, die für mich absolut gleich klingen?

Zurück zu meinem Namensdilemma. Westliche Namen werden ungefähr nach dem Klang ins Chinesische übertragen; die chinesische Entsprechung für Marie ist Mǎ lì (wenn ihr grad nichts zu tun habt: http://www.chinesisch-lernen.org/vornamen, da könnt ihr euren chinesischen Namen nachschlagen).  Mǎ lì werde ich auch von der Haushälterin genannt. Der Vater versucht sich tapfer an einem deutschen „r“, die Mutter bleibt bei „Maria“ mit einem englischen „r“ und die Großmutter umkurvt elegant alle Fettnäpfchen und nennt mich „laoshi“, Lehrerin.