Eule und Lerche

Donnerstag, 27.02.2014

 

 

Während der deutsche frühe Vogel den Wurm fängt, hat der chinesische Vogel schon einen Rundflug gemacht, zwei Nester gebaut und das Heilmittel für Vogelgrippe gefunden, bevor sich der Wurm überhaupt aus dem Bett begeben hat.

In der Gastfamilie heißt am Wochenende ausschlafen, bis viertel vor acht im Bett zu liegen. Obwohl es eine (beunruhigende) Offenbarung war, zu merken, wie viele Stunden der Vormittag  hat: wenn es nach mir ginge, würde ich erst um zehn aufstehen und vor elf nicht intelligent kommunizieren.

Chinesen sind chronische Frühaufsteher und Morgenmenschen. Und die älteren Chinesen sind sogar noch schlimmer. Wenn ich Jake richtig verstanden habe*, dann stehen seine Großeltern um drei Uhr morgens auf, essen um vier Frühstück, um halb zehn Mittag und um halb vier zu Abend.

Gleichzeitig unternehmen sie kaum noch etwas am Abend. Meine Ausgangssperre ist hier auf halb neun Uhr abends festgesetzt (meine Stellung als verantwortungsvolle Erwachsene ist hier leider mit einem kläglichen Geräusch verpufft), aber selbst wenn ich etwas unternehmen wollte: viele Busse hören schon um kurz vor acht auf zu fahren.

 

 

*Obwohl Jake sein Englisch sehr verbessert hat, kleine Kommunikationsfehler bleiben immer bestehen. Zum Beispiel, als er heute statt „mess“ (Unordnung) „meth“ gesagt hat und ich schon ungeahnte Drogenlabore in seinem Zimmer zu vermuten begann. Oder neulich, als er so felsenfest darauf beharrte, dass Cuity Onkel geworden sei, dass ich mir ein paar ziemlich plausible Verschwörungstheorien über ein verschollenes viertes Geschwisterkind zurechtgelegt habe.