Ein typischer Tag

Freitag, 10.01.2014

 

 

Ich stehe morgens um sieben auf und bereue, dass ich nicht pünktlich ins Bett gegangen bin. Dann gibt es mit der ganzen Familie Frühstück (oder fast der ganzen- Serena ist um diese Zeit schon Richtung Schule verschwunden) und Jake, der ein notorischer Langschläfer  und nicht so wahnsinnig effizient ist, was anziehen usw. angeht, wird mit großen Mühen auf den Schulweg gebracht. Von halb neun bis zehn passe ich auf den Kleinen auf, was manchmal anstrengend ist, weil er wie alle Kleinkinder das Talent besitzt, immer genau das zu machen, was er eigentlich nicht machen sollte (Nein, Cuity, rüttel bitte nicht wie ein Wahnsinniger am Fernseher. Nein, es ist keine gute Idee, auf die Wand zu malen. Oder Seiten aus dem Buch zu reißen. Oder Orangen zu zerquetschen, sodass der ganze Boden klebrig wird. Bitte lass noch ein paar Blätter an der armen Zimmerpflanze…). Dann habe ich ein bisschen Freizeit, Jake kommt zum Mittagessen aus der Schule nach Hause und wir essen um ungefähr halb zwölf. Ich hab  immer noch Freizeit, und zwar bis Jake um etwa halb vier aus der Schule kommt. Dann gibt’s anderthalb Stunden Englischunterricht, Abendessen und zwei Stunden Deutschunterricht. Die ganze Familie ist nämlich sehr an Deutschland interessiert und will unbedingt die Sprache lernen und ich denke mir also Unterrichtsstunden aus (ich habe auch ein Deutschbuch, aber es ist nicht sehr gut. Ich meine wenn man anfängt eine Sprache zu lernen, muss man doch nicht unbedingt fünf verschiedene Begrüßungen inklusive „Grüß Gott“ und „Grüezi“ lernen? Geschweige denn die Wörter „Antilope“, „jonglieren“  und Verben wie „aufstehen“, die ja zweigeteilt werden?). Nach dem Unterricht habe ich wieder Zeit für mich, beschließe, früh ins Bett zu gehen und scheitere.

Meine Freizeit verbringe ich damit, Bücher von hohen litera… Okay, ich gebe es zu, meistens bin ich im Internet. Jeden zweiten Tag ziehe ich meine Laufsachen an und jogge dreimal um den Wohnkomplex. Es ist zwar auch ein Park in der Nähe, aber um den zu erreichen, müsste ich die ganze Zeit Straße laufen; außerdem ist eine Runde ums Wohngebiet länger als eine Runde im Park und ein kleiner Abschnitt läuft am Kanal entlang. Neuerdings habe ich auch ein neues Hobby, das ich liebevoll Busroulette getauft habe. Ich setze mich einfach in irgendeinen Bus (ich kann ja hier nichts lesen und hab keine Ahnung, wo ich rauskommen werde) und schau dann, wo ich lande.   Bislang habe ich ein Einkaufszentrum gefunden und mir gleich mehr warme Wintersachen gekauft. Das Busfahren ist nicht teuer, eine Fahrt kostet 2 Yuan, was ungefähr 25 Cent sind.