Durch duenn und duenner

Donnerstag, 08.05.2014

Neulich war ich zum ersten Mal fuer die Gastfamilie einkaufen. Zu meinem grossen Triumph hatte ich endlich das richtige Ende der Schlange zum Abwiegen des Gemueses gefunden und wartete nun friedlich laechelnd. Ploetzlich kam eine etwa fuenfzugjaehrige Frau auf mich zu, stricht mir ueber den Handruecken und sagte auf chinesisch "sehr huebsch" und liess mich mit einem verdutzten Gesichtsausdruck zurueck.

Ich bekomme hier sehr viele Komplimente ueber mein Aussehen- mit dem Exotenstatus und meinen blonden Haare errege ich ueberall Aufmerksamkeit. Aber was ist eigentlich das chinesische Schoenheitsideal?

Zuerst einmal, duenn zu sein. In der juengeren Generation sieht man des oefteren dicke Kinder was an der Verbreitung von Fastfoodketten (uebrigens ist KFC hier groesser als McDonald's) liegt, aber ansonsten gibt es kaum Uebergewichtige. Fuer junge Maedchen ist es ein absolutes No-Go, dick zu sein und sie achten sehr auf ihr Gewicht. Hier gibt's kein du-bist-schoen-egal-wie-viel-du-wiegst und kein schonendes Trippeln um das Thema- wenn jemand zunimmt, wird ihm das unverbluemt gesagt.

Helle Haut ist ein weiterer grosser Pluspunkt. In vielen Cremes hier sind Stoffe, die die Haut aufhellen sollen. Jetzt wo das Wetter besser wird, sehe ich staendig junge Chinesinnen mit Sonnenschirm rumlaufen und als ich mich heute bei meiner Chinesischlehrerin beschwert habe, dass ich im Sommer nie braun werde, hat sie mich nur entgeistert angestarrt (das werde ich im Hinterkopf behalten fuer das naechste Mal, wenn meine bleichen Beine in Hotpants alle Umstehenden blenden.)

Westliche Gesichtszuege werden bevorzugt, d.h. eine moeglichst wenig flache Nase und offene Augen. Schoenheitsoperationen, die beides moeglich machen, sind noch nicht so verbreitet wie in Suedkorea, aber nehmen rapide zu.