Die Freuden des Analphabetismus

Sonntag, 12.01.2014

 

 

Die chinesische Sprache hat abertausende von Schriftzeichen. Man braucht etwa dreitausend, um die Zeitung lesen zu können. Ich erkenne etwa zwanzig. Ich, Marie, bibliophil und mit dem Orientierungssinn einer Nacktschnecke nach drei Stunden Zentrifuge  gesegnet, bin in einem fremden Land und kann nichts lesen.  

Das wirft viele Probleme auf. Wenn mir jemand ein neues Wort erklärt, schreibt er das Schriftzeichen auf und sagt mir die Aussprache, die ich dann leider sofort wieder vergesse. Pinyin (die phonetische Schreibweise mit dem „normalen“ Alphabet, die zum Glück die meisten Chinesen beherrschen) ist zwar umständlich, hilft aber zum Glück in den meisten Fällen ganz gut. Ich trage immer einen Zettel mit meiner Adresse mit mir herum, falls ich mal verloren gehen sollte. Ich weiß nicht, wohin die Busse fahren. Ich kann den Fernseher nicht bedienen oder den Namen eines Geschäftes lesen und ich weiß verdammt noch mal nicht, ob ich mir jedes Mal Shampoo, Spülung oder Duschgel in die Haare tue.

Zum Glück ist erstaunlich viel sowohl auf Englisch als auch auf Chinesisch geschrieben und ich habe immer grobe  Vorstellungen von den meisten Dingen z.B. im Supermarkt. Die Filme werden zu meiner großen Freude auf Englisch und mit chinesischem Untertitel gesendet, sodass ich vielleicht demnächst einmal ins Kino gehe.