Die chinesische Sprache

Montag, 20.01.2014

 

 

„Du gehst nach China? Die splechen da aber ganz andels, haha. Sching schang schong.“

 

Ähm, ja. Chinesen haben zwar Schwierigkeiten mit dem „r“ (was Übungssache ist), aber ich versichere euch, dass die chinesische Sprache doch ein wenig komplexer als „Sching Schang Schong“ ist.

In China gibt es viele verschiedene Dialekte, die sich sehr unterscheiden. Die offizielle Sprache ist Mandarin, wie es in Beijing und Umgebung gesprochen wird (und auch in Ningbo). China wird durch die Schriftzeichen geeint, die überall gültig sind; nur werden sie unterschiedlich ausgesprochen. Das Fernsehen ist hier deswegen auch immer chinesisch untertitelt.

 

Die chinesische Grammatik ist einfacher als die englische Grammatik. Ja, wirklich. Verben werden nicht konjugiert oder in verschiedene Zeiten versetzt, man stellte den Satz nicht zu Fragen um; es gibt keine Objekte und Begriffe wie „Akkusativ“, „Dativ“ und „Genitiv“ spuken nur in den Albträumen von Deutschschülern umher.

Ni hao, was soviel heißt wie „Hallo“, heißt wörtlich übersetzt „Du gut“. Wenn ein Chinese fragt, wie es dem Gegenüber geht, fragt er „Ni hao ma“ („Du gut?“ Das ma ist ein Fragepartikel). Der andere antwortet daraufhin „wo hen hao“ (ich sehr gut) oder einfach nur „hao“ (gut). „Ich liebe dich“ heißt auf Chinesisch „wo ai ni“ (ich lieben du).

So weit so gut. Außerdem ist die Sprache sehr logisch und einfach aufgebaut. Um Montag zu sagen, sagt man einfach „Woche eins“, Dienstag ist „Woche zwei“ usw. Das gleiche gilt auch für Monate. Januar ist „Monat eins“, Februar „Monat zwei“. Ein Handy ist eine „Hand Maschine“, der Computer „Strom Gehirn“ und eine Vase „Blume Flasche“.

 

Dann die Aussprache, die schon ein bisschen kniffelig ist. Man kann die Silben auf vier bzw. fünf verschiedene Arten betonen und das Wort hat je nachdem unterschiedliche Bedeutungen. So zum Beispiel „ma“:

1. mā (Mutter): haltet den Ton auf der gleichen Höhe (ein bisschen so, als würdet ihr beim Meditieren „ommmm“ singen).

2. má (Hanf): geht mit der Stimme nach oben wie bei einer Frage

3. mǎ (Pferd): fahrt ein bisschen Achterbahn mit der Stimme; erst nach unten dann nach oben

4. mà (schimpfen): geht mit der Stimme nach unten wie bei einem energischen „Nein“.

5. ma (Fragepartikel): hat keine Betonung und wird ganz kurz gesprochen.

Ein Satz wie „Māma mà má mǎ ma?“ (Schimpft die Mutter das Hanfpferd?) ergibt im Chinesischen also Sinn.

 

Alle Chinesen lernen neben den Schriftzeichen auch  „Pinyin“ in der Schule, die  phonetische Schreibweise mit dem Alphabet, wie ich sie oben aufgeschrieben habe (das mit den komischen Strichen über den Buchstaben. Das andere ist kein Pinyin, weil ich keine Ahnung hab, wie ich die Zeichen mit der Tastatur machen soll und ich zu faul bin, alles per copy und paste zu machen). Chinesen benutzen Pinyin, wenn sie am Computer arbeiten oder Sms schicken (sie tippen dann einfach das Wort in Pinyin ein, das Programm schlägt ihnen dann die entsprechenden Schriftzeichen vor und voilà).  Pinyin ist für mich eine großartige Krücke, ohne die ich wirklich aufgeschmissen wäre, weil die Schriftzeichen ja kaum Hinweise auf die Aussprache geben.

 

Ach ja, die Schriftzeichen. Es gibt so viele und ich kenne so wenige. Einiges ist logisch (das Schriftzeichen für Baum sieht ein bisschen aus wie ein Baum, zwei mal das Schriftzeichen und man hat einen Wald; drei kleine Strichen links stehen für das Wortfeld „Flüssigkeit“ usw.), aber das meiste leider einfach nur unverständlich. Vor einigen Jahrzehnten wurde die chinesische Schrift „vereinfacht“, d.h. die Anzahl von Strichen, aus denen das Schriftzeichen besteht, wurde reduziert. Einerseits ist das zwar praktisch, andererseits ist dadurch viel von der ursprünglichen (und logischen) Bedeutung der Schriftzeichen verloren gegangen. Nicht, dass ich vor der Reform mehr verstanden hätte.

 

Wenn man also die Aussprache gemeistert hat und auf die Schriftzeichen verzichtet, ist Chinesisch dann einfach und man muss nur Vokabeln pauken? Die Antwort ist natürlich nein. Es gibt viele Sprichwörter und Redewendungen, die gelernt werden müssen und mehr Zähleinheitswörter, als mir lieb ist. Zähleinheitswörter sind fiese kleine Sachen und es gibt glaube ich etwa dreihundert von denen. „Eine Serviette“ braucht das Zähleinheitswort für Papier, „ein Stift“ braucht das Zähleinheitswort für „länglicher Gegenstand“ und Marie braucht das Zähleinheitswort für „sehr verwirrt“.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass man absolut keine Bezugspunkte hat, auf denen man aufbauen kann. Die ganzen europäischen Sprachen kommen ja aus der gleichen Ecke, da hat man Lehnwörter, ähnliche Strukturen und kulturelle Bezüge, aber hier nix, nada, rien. Man wirft so lange Steine in den Fluss, bis man eine Brücke hat. Es ist auch keine große Ermutigung, wenn meine Gastschwester mir versichert, dass kein Chinese von sich behaupten kann, perfekt chinesisch zu sprechen und zu schreiben.

 

Trotz allem ist es eine sehr interessante Sprache und es macht Spaß, eine neue Blickweise auf die Welt zu entdecken (denn was ist eine Vase etwas anderes als eine „Blume Flasche“? Oder ein Eingang als ein „Mund Tür“?). Die Assoziationen, über die die Wörter gebildet werden, sind erstaunlich und interessant. Und vielleicht belächeln einige, dass das chinesische Wort für essen (chifan) so viel wie „Reis essen“ bedeutet, aber sind wir Deutschen mit unserem „Abend-Brot“ wirklich besser?

 

 Sechs Monate reichen nicht, um chinesisch zu lernen, das war mir schon vorher klar. Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob ein Jahr reicht und man braucht sicherlich einige davon, um etwas mit den Schriftzeichen anfangen zu können. Das Lernen  geht nur mit wackeligen kleinen Babyschritten voran und ich denke, dass es ein realistisches Ziel ist, nach sechs Monaten einfache Alltagsgespräche zu verstehen- aber immerhin macht es mir Spaß.