Deutschland ade

Dienstag, 01.04.2014

Liebe Leute, mir poltert eine Gerölllawine vom Herzen. Anlass dafür ist der Visumsaufkleber, der nach wochenlangem hin und her meinen Pass verziert (deswegen auch die lange Update-Pause; meine Muse scheint bei zu viel Anspannungen Stresspusteln zu entwickeln und dann versteckt sich das eitle Ding, wo ich es nicht finden kann). Ja, ich habe erst vor kurzem mein Visum verlängert und nein, ich sammle die Aufkleber nicht aus ästhetischen Gründen.

Wofür brauche ich also ein X3-Studentenvisum? Vereinfacht gesagt: weil ich hier studieren werde. Ich habe mich lange mit meinen Eltern beraten, nachdem ich erfahren habe, dass die Universität in Ningbo ein englisches Programm für internationale Studenten hat. Es war ja schon immer mein Traum, Literatur zu studieren und wenn ich meinen Studienaufenthalt noch mit chinesischen Sprachkenntnissen verbinde, werde ich trotz geisteswissenschaftlichem Abschlusses gute Berufsaussichten haben.

Ich habe ziemlich gute Chancen, ein tolles Stipendium zu bekommen und meine Gastfamilie ist begeistert, weil sie mich noch für einige Monate behalten kann (aber wenn die Uni anfängt, werde ich wohl ins Internat ziehen). Die Ankündigung kommt wohl für viele etwas überraschend und für meine Geheimniskrämerei entschuldige ich mich schon mal (außer meinen Eltern ist eigentlich niemand eingeweiht), aber ich wollte mich bei der Entscheidung darauf konzentrieren, was wichtig für mich ist und mich möglichst wenig von außen beeinflussen lassen.

Mein X3-Studentenvisum gilt für fünf Jahre, genehmigt aber (und das ist der traurige Haken) weder ein-noch ausreisen-man darf in dieser Zeit China nicht verlassen. Das heißt, meine Eltern werden sich mit drei Koffern voll mit meinen Sachen im August auf den Weg hierher machen, mich für zwei Wochen besuchen und ihr Kind dann auf die große weite Welt loslassen. Wer ein bisschen Taschengeld für einen Flug übrig hat, darf mich gerne besuchen.

Und als wäre eine Hiobsbotschaft nicht noch genug: im Internat sind keine technischen Geräte erlaubt und ausländische Studenten müssen (haltet eure schlotternde Knie fest) sich ein Programm auf den Computer laden, das den Internetzugriff direkt über die Universität laufen lässt. Bei vielen Studenten sperrt das den Zugriff auf sämtliche Internetseiten, die nicht auf Chinesisch sind und auf Seiten von Bloganbietern zu kommen ist ganz unmöglich.

Ab September werde ich also fast allen Kontakt abbrechen müssen, was mich jetzt schon sehr unglücklich macht. Aber insgesamt sehe ich meine Zukunft auf jeden Fall in China und wer weiß? Vielleicht finde ich hier einen Ehemann und habe nach den fünf Jahren schon Kinder…

Das nächste halbe Jahr werde noch fleißig den Blog weiterschreiben und dann in der Versenkung verschwinden. Ich werde das deutsche Essen, Hamburg und euch alle unglaublich vermissen- es ist so schwer vorstellbar, dass ich schon vierundzwanzig bin, wenn ich wiederkomme!

Bitte, bitte denkt an mich und erfüllt mir noch eine letzte Bitte: glaubt kein Wort von dem, was ich geschrieben habe. Einen fröhlichen ersten April!